Synantik

Kurznotiz

Unternehmen: 
Synantik GmbH
Gegründet: 
2014
Gründer: 
fünf Gründer
Produkt: 
Elektronische Baugruppen und Geräte für industrielle, wissenschaftliche und private Anwendungen

Teaser

 

Es bedarf nicht immer eines konkreten Produktes, um sich für die Selbständigkeit zu entscheiden. Das stellt die Synantik GmbH auf eindrucksvolle Art unter Beweis. Denn eine detaillierte Planung hatten Daniel Martschoke und seine Mitstreiter nicht, als sie sich für ihre Gründung entschieden. Aber sie konnten mit dem Know-how aus dem Studium an der TU Ilmenau und den Erfahrungen aus Forschungsprojekten genau einschätzen, welche Probleme bei der Mess- und Regelungstechnik auftraten. Dabei stützt sich das Team der Synantik GmbH auf die interdisziplinären Kompetenzen der Gründer sowohl als Naturwissenschaftler und Ingenieure (Technische Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau) als auch Praktiker (Fertigungsmechaniker, Elektroniker). Die Stärke der Synantik GmbH liegt in der Lösung komplexer physikalischer und technischer Probleme, um kundenspezifisch elektronische und mechatronische Geräte zu entwickeln und zu produzieren.

 

 

 

Die Gründung

 

Im Jahr 2014 wurde die Synantik GmbH von fünf Gesellschaftern gegründet. Das Team um den geschäftsführenden Gesellschafter Daniel Martschoke startete ohne Inanspruchnahme einer Förderung, da sie nicht in das Raster herkömmlicher Förderprogramme für Hochschulausgründungen wie EXIST passten.

Gründer Daniel Martschoke im TGZ Ilmenau

Die Synantik GmbH ist ein Team von Physikern, Ingenieuren und Technikern, jeder mit einer eigenen Fächerherkunft. Die unterschiedliche fachliche Ausrichtung des Teams garantiert eine maximale Abdeckung der Kundenwünsche im Bereich der Lösung komplexer physikalischer und technischer Probleme. Das Unternehmen schrieb es sich von Anfang an auf die Fahne, die innovativen Ideen der Mitwirkenden zu verwirklichen, die immer wieder aufs Neue aufkeimen. Daneben zeichnet das Miteinander im Team aus, dass freundschaftliche Beziehungen schon vor der Gründung eine besondere Vertrauensbasis geschaffen haben, in der Unstimmigkeiten äußerst selten auftreten. Daniel Martschoke schätzt das positive und familiäre Betriebsklima im Unternehmen seit der Gründung sehr.

 

Fragen zum Gründungsprozess

(im Gespräch mit Daniel Martschoke, Geschäftsführer der Synantik GmbH, 19.08.2015)

 

Was ist die Idee der Synantik GmbH?

 

„Eine konkrete Idee als Gründungsursprung hatten wir nicht. Durch die Erfahrungen, die wir schon während des Studiums gesammelt hatten, kannten wir die Probleme die typischerweise bei der Lösung komplexer technischer und physikalischer Probleme und der Entwicklung von Ingenieurprodukten anfallen. Durch unsere verschiedenen Fachrichtungen bieten wir unseren Kunden eine enorme Flexibilität. Somit haben wir ein Gespür dafür, was am Markt gebraucht wird und können somit knifflige Probleme Anderer lösen. Die Gründung kann man als Mittel zum Zweck zur Verfolgung der eigenen Ideen betrachten. Wir erkannten jedoch auch, dass sich mit unserem Können Geld verdienen lässt. Mit eigenem Engagement bauten wir unser erstes Labor auf, um entwickelte Geräte bereits vor der Gründung zu erproben. Somit konnten wir mögliche Kunden mit Demos und Prototypen überzeugen. Während der gesamten Gründung haben wir nur auf das Vertrauen potenzieller Geschäftspartner gesetzt, denn wir hatten keine Förderung.“

 

Ingenieure werden überall händeringend gesucht. Wieso habt Ihr Euch dennoch für den Schritt in die Selbständigkeit entschieden?

 

Christopher Hahn tüftelt am Standort Ohrdruf    

„Ich absolvierte schon während meines Studiums einige Praktika in etablierten und bekannten Unternehmen. Hiernach erhielt ich verschiedentlich auch konkrete Stellengebote zur Übernahme als Entwicklungsingenieur. Dennoch habe ich mich für die Selbständigkeit entschieden, da ich einfach ein Freigeist bin, der immer etwas Neues sucht. Für mich ist es viel reizvoller die eigene Idee zu verwirklichen als eine Festanstellung anzunehmen. Dennoch konnte ich so in vielen Betrieben für meine eigene Unternehmung Erfahrungen sammeln. Die ersten Monate seit der Gründung waren sehr faszinierend und lohnenswert. Wir haben mehrere eigene Produkte entwickelt mit einer etablierten Vertriebsstruktur, eine solide Auftragslage und konnten starke Partner gewinnen. Verhandlungen mit Kunden sind immer wieder aufs neue interessant und bereichernd.“

 

Was sind die weiteren Pläne der Synantik GmbH?

 

„Im Moment konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Dienstleistungen. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir uns auf Entwicklungsprojekte spezialisieren. Mehrere Projekte und Entwicklungsleistungen können hierbei parallel stattfinden, auch um die Zeit effektiv zu nutzen und unerwartete Lücken überbrücken zu können. Währenddessen sollen auch weitere eigenständige Produkte entwickelt werden, die ggf. untereinander kompatibel sind, damit jeder Kundenwunsch abgedeckt werden kann. Ein einzelnes Kundenprojekt kann ein Puzzleteil eines gesamten Systems sein.

Die Produkte werden eigenständig vermarktet oder vertraglich abgegeben. Im Moment werden unsere Vertriebskanäle weiter ausgebaut, als erste Instanz steht da natürlich unsere Website. Wir hoffen in fünf Jahren deutlich größer zu sein und weitere Geschäftsfelder zu erschließen. Daneben streben wir ein komfortables Umsatzwachstum an und eine Teamgröße von mindestens 10 Mitarbeitern an. Wahrscheinlich werden wir uns in fünf Jahren noch im TGZ Ilmenau befinden. Im Moment nutzen wir mit Ohrdruf noch einen zweiten Standort. Diese Koordination wird aber in Zukunft nicht einfacher werden.“

 

Habt Ihr jemals bereut, Euch für den Weg in die Selbstständigkeit entschieden zu haben?

 

„Ich habe es nicht bereut, dass wir uns für die Selbstständigkeit entschieden haben. Ich würde es wieder tun, aber dennoch ein paar Dinge anders gestalten. Meine Einschätzung ist,  dass ich einfach nicht anders kann, als selbstständig zu sein und dieses Denken ist für eine Unternehmung essenziell. Es gehört anfänglich viel Mut dazu, sich inhaltlich mit vermeintlich Höhergestellten auseinanderzusetzen. Dies funktioniert jedoch dann auf Augenhöhe, wenn man weiß, dass man seine Perspektiven am besten in der Selbstständigkeit verwirklichen kann.“

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

 

Das Team der Synantik GmbH am Standort Ilmenau
(Benedikt Raab, Daniel Martschoke und Stephanie Rudolf)

„Ich bin der Meinung, dass die infrastrukturelle Anbindung in Ilmenau riesige Vorteile mit sich bringt, insbesondere wenn man deutschlandweit agiert. Weiterhin verspreche ich mir sehr viel von der zukünftigen ICE-Strecke. Wir schätzen unseren Standort im TGZ, da wir so zu weiteren Unternehmen im Haus Kontakt pflegen können und eine für uns passende Infrastruktur vorfinden. Die Nähe zur Universität ist essenziell für unser Unternehmen, denn wir sind sehr eng mit einigen Fachgebieten verzahnt, bspw. die mit der Lorentzkraft-Technik arbeiten. Auch ist die TU Ilmenau eine nicht zu unterschätzende Quelle für sehr gut ausgebildetes Personal, sei es für reguläre Angestelltenverhältnisse, studentische Tätigkeiten oder Praktikanten.

Generell würden wir die Entscheidung für den Standort Ilmenau wieder so treffen. Demgegenüber bietet unser zweiter Standort in Ohrdruf nicht den Kontakt zum Kunden, aber dafür einiges an schöpferischer Ruhe.“

 

Gibt es Punkte, wo mehr regionale Unterstützung nötig wäre?

 

„Wir haben während unserer Gründung leider gemerkt, dass Förderungen in anderen Regionen sehr viel besser auf unser Unternehmen gepasst hätten. Generell ist es für Gründer hier in der Region schwer einen Überblick über verschiedene Förderinstrumente zu erlangen. Keine der Beratungsstellen hat einen Gesamtüberblick, um ein direktes Paket für einen Gründer zuzuschneiden. Somit konnten wir einiges an Unterstützung nicht nutzen, was wir erst im Nachhinein erfahren haben. Ein allumfassender Beratungsansatz eines Fördermittelexperten wäre demzufolge ein Wunsch.“

 

Unsere Tipps

 

Welche Tipps könnt Ihr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

 

„Ich empfinde es als wichtig, dass eine Gründungsidee frühzeitig mit vielen Akteuren besprochen wird, um sich Feedback einzuholen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Idee Eins-zu-eins übernommen wird. Am besten kontaktiert man viele Partner verschiedener Branchen und erhält so deren unterschiedliche Ansichten. Umso mehr festigt sich auch die eigene Idee und der Glaube daran. Man sollte weiterhin so nah wie möglich mit potenziellen Kunden und Projektpartnern zusammenarbeiten, sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich. Es kann hilfreicher sein, nicht unbedingt riesige Präsentationen vorzubereiten, sondern eher ungezwungene Gespräche anzustreben.

Daniel Martschoke und Benedikt Raab
bei der Entwicklung eines Bauteils

Generell ist es wichtig, einen finanziellen Überblick zu behalten und immer einen Plan B zu haben, falls etwas schief geht. So kann man im Ernstfall seine Ausgaben schnell herunterfahren und das auch mit den Mitarbeitern kommunizieren, denn in der Gründungsphase kann es zu großen Schwankungen kommen. Ich selbst vermeide Kredite, da diese immer bedient werden müssen. Das funktioniert sicherlich bei anderen Unternehmen, aber nicht bei unserer Strategie. Prinzipiell sollte das Kerngeschäft nie in Gefahr gebracht werden. Auch Patente können unter Umständen hinderlich sein, da man hiermit den Kern der eigenen Erfindung, den man patentieren lassen will, offen legt.

Ein weiterer Tipp für B-2-B-Gründungen meinerseits ist, einen versierten Unternehmensberater heranzuziehen. Diese können über ihre eigentliche Tätigkeit hinaus auch Kooperationen anstoßen. Die Beraterperson sollte vertrauensvoll und vor allem von der Idee begeistert sein. Es sollte ein Partner mit regionalem Weitblick gefunden werden, der als Netzwerkknoten agieren kann. Auch andere Dienstleister wie bspw. Versicherungsvertreter können hilfreich sein. Alle diese Menschen kennen andere Unternehmen, aus denen wiederum Kooperationen entstehen können.“

 

Fotos: wr-communication & Daniel Martschoke

Marvin Best im August 2016