MEODAT

Kurznotiz

Unternehmen: 
MEODAT GmbH
Gegründet: 
1994
Gründer: 
Dr.-Ing. Peter Peyerl
Produkt: 
Schall- und Schwingungsmessungen, Impedanzspektroskopie, Positionsbestimmung

 

Teaser

Die MEODAT GmbH ist im Bereich der Hoch- und Höchstfrequenzsensorik und der digitalen Signalverarbeitung mit Spezialprozessoren tätig. Ihre Gründung im Jahre 1994 wurde durch das technologieorientiertes Förderprogramm TOU unterstützt. Heute ist die MEODAT GmbH  ein international tätiges Unternehmen und kann auch als kleines Unternehmen ihren Mitarbeitern viel Flexibilität, Einbindung in alle Produktionsebenen und inspirierende Kontakte mit ausländischen Kunden bieten. Der Gründer Dr. Peyerl hat es nicht bereut in Ilmenau gegründet zu haben und würde es wieder tun. Die regionale Politik und Gesellschaft sieht er in der Verantwortung, die Attraktivität des Standortes zu fördern und noch mehr in den Vordergrund zu rücken, da für die regionale Wirtschaft insbesondere junge, talentierte Absolventen wichtig sind und hier gehalten werden sollten.

 

 

Die Gründung

 

Die Gründergeschichte der MEODAT beginnt mit einem 1991 von zwei ehemaligen Mitarbeitern der TU Ilmenau gegründeten Ingenieurbüro. Mit Unterstützung des technologieorientierten Förderprogramms (TOU) wurde dann 1994 die MEODAT GmbH mit vier Mitarbeitern gegründet, die zunächst im Bereich der Schall- und Schwingungsanalyse arbeitete. Die Idee war, in der Radartechnik ein neues Anwendungsfeld dieser Analysen zu finden. Es dauerte bis 1998 diese Idee endgültig umzusetzen.

In den ersten Jahren war die MEODAT GmbH ein reines Entwicklungsunternehmen ohne Produktionsabteilung. Die eigene Entwicklung und die Entwicklung für andere Unternehmen standen im Vordergrund. Im Jahre 2000 konnte eine eigene Produktion aufgebaut werden, um auch Umsätze aus dieser zu generieren. Heute beschäftigt sich das Unternehmen zu ca. 20% mit reiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit, der Rest verteilt sich auf Projektarbeiten sowie Produktherstellung und –entwicklung. Nach dem Start im Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau hat die MEODAT GmbH nun ihren Sitz in einem eigenen Firmengebäude  an einem der höchsten Punkte des Gewerbegebiets am Ehrenberg und somit einen phantastischen Ausblick über ihren Gründungsstandort Ilmenau.

 

Fragen zum Gründungsprozess

 

(im Gespräch mit Dr.-Ing. Peter Peyerl, Geschäftsführer der Meodat GmbH, 29.07.2015)

 

Was ist das Betätigungsfeld der MEODAT GmbH?

 

„Unser Angebot umfasst die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb von elektronischen Geräten und Baugruppen in der Mess- und Datentechnik. Unsere Systeme und kundenspezifischen Lösungen sind sehr innovativ und beruhen auf der Kombination von zwei Technologiefeldern: die Schall- und Schwingungsmesstechnik und die digitale Signalverarbeitung mit Spezialprozessoren. Daneben bieten wir auch Dienstleistungen in der Hard- und Softwareentwicklung an - alles im Bereich der digitalen Signalverarbeitung. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Schall- und Schwingungsmessung in der Automatisierungstechnik, die Analyse von Audiosignalen und Maschinengeräuschen und die Entwicklung und Produktion von Geräten für die Erdöl- und Erdgasindustrie.“

 

Was waren die positivsten Momente oder Herausforderungen in Ihrem bisherigen Gründerdasein?

 

Eigenentwicklung einer Baugruppe

„Einer der wertvollsten Momente unserer Gründung war, als eines unserer Produkte besonderen Anklang fand. Hierbei spreche ich von einem der EU-Projekte, an denen wir teilgenommen haben. Dies führte zur Bildung weitreichender Kooperationen in ganz Europa, die heute noch bestehen. Das Projekt beinhaltete das Thema humanitäre Minensuche, insbesondere Anti-Personen-Minen-Suchtechnik. Anwendungsländer waren insbesondere Bürgerkriegsländer, bspw. Jugoslawien oder afrikanische Länder wie Angola. Die Laufzeit des Projektes betrug knappe drei Jahre, danach war diese Problematik leider nicht mehr interessant für die EU. Mit einer längerfristigen Weiterfinanzierung der Arbeiten hätten sich erhebliche Marktpotentiale ergeben können.

Auf der Suche nach Alternativen in unserer Geschäftstätigkeit wurden wir im Bereich der Schall- und Schwingungsanalyse bezüglich Erdöl und Erdgas fündig. Wir entwickelten Bauteile zur Analyse technischer Geräusche, deren eigentliches Einsatzgebiet der Maschinenbau ist. Im Bereich Erdöl und Erdgas kann man mit diesen Geräten frühzeitig und mit hoher Zuverlässigkeit Leckagen an Pipelines und Erdgasspeichern erkennen. Leider trafen uns unglückliche Entscheidungen der Politik. Mit Einführung der Brennelementesteuer 2010 brach die Kooperationsbasis zu unserem Hauptpartner RWE weg. Die MEODAT musste hiernach eine schwierige Phase überwinden.

Glücklicherweisem, und dies ist ein weiterer sehr positiver Moment seit unserer Gründung, arbeiten wir nun seit einigen Jahren erfolgreich mit einem österreichischen Unternehmen zusammen, das auch den Erdgas- und Erdöl-Sektor bedient. Hier gilt ganz das Sprichwort: ´Das Glück des Tüchtigen!´.“

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

 

„Zukünftig sehen wir uns auch weiterhin den Bereich Leckage-Überwachung bei Erdöl und Erdgas mit aufbauen. Wir streben Produktionsverträge über mehrere Jahre an, da sollte jedoch keine unglückliche Entscheidung seitens der Politik dazwischen kommen, wie wir es schon einmal erlebt haben. Ein Faktor, der besonders unsere Zukunft beeinflusst, ist auch der Ölpreis. Wir haben unsere ersten Produkte entwickelt, als der Ölpreis stieg. Jetzt fällt er aber wieder und dies wirkt sich auf unseren Umsatz aus. Positiv ist dabei, dass unsere Kunden Geräte suchen, die effektiver arbeiten. Negativ ist jedoch, dass die Unternehmen nicht sehr viel Geld investieren können in neue, innovative Technik.

Des Weiteren wollen wir für die Zukunft neue Marktfelder und -chancen erschließen, indem wir weitere Partner aus der Erdgas- und -ölindustrie akquirieren. Im Moment sind wir fast ausschließlich international tätig und müssen dafür auch die globale Politik und internationale Krisen intensiv beobachten.“

 

Haben Sie jemals bereut, sich für den Weg in die Selbständigkeit entschieden zu haben?

 

„Natürlich gibt es immer Momente, in denen man unschlüssig ist, gerade dann wenn man die große Verantwortung gegenüber der Familie oder den Mitarbeitern spürt. Aber generell bereue ich es nicht und würde es auch sofort wieder machen. Es gibt für mich nichts Schöneres als zu gründen, da man so viele Freiheiten erhält. Man ist als Unternehmer niemandem Rechenschaft schuldig und genießt die zeitliche Flexibilität. Wenn man weiß, dass es auch ohne einen läuft, selbst wenn man mal nicht vor Ort ist, dann war Gründen die richtige Entscheidung.“

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

 

  Geschäftsführer Dr. Peyerl vor seinem Firmengebäude am Ehrenberg

„Ilmenau hat uns ursprünglich als Unternehmensstandort angesprochen, da die enge Kooperation mit der TU Ilmenau ein großer Vorteil für uns ist. Diese Zusammenarbeit war jedoch früher enger als heute. Dennoch sind alle unsere Mitarbeiter Absolventen der TU Ilmenau, insbesondere die Entwicklungsingenieure. Ich sehe die Heimatverbundenheit vieler Mitarbeiter als einen großen Pluspunkt für Ilmenau als Unternehmensstandort an. Ich denke aber auch, dieses Argument wird immer schwieriger zu stützen sein. Leider ist Ilmenau nicht die anziehendste Stadt für Absolventen. Erfurt hingegen wird als Standort immer attraktiver. Ich bin seit 1980 in Ilmenau und habe nicht erkennen können, dass sich die Stadt in eine Studentenhochburg entwickelt hat. Bei unseren potenziellen neuen Mitarbeitern muss ich deshalb gute Überzeugungsarbeit leisten, um Ilmenau als Arbeitsort attraktiv darzustellen. Nichts desto trotz sehen wir uns auch in Zukunft in Ilmenau.“

 

Was kann man Ihrer Meinung nach für die Stärkung des Unternehmensstandort Ilmenau tun?

 

„Meiner Meinung nach ist es wichtig, die gute Basis der Universität weiter zu stärken. Es hat viele Ansätze in Richtung einer lebendigen Universitätsstadt gegeben. Leider ist hier nichts dauerhaft entstanden, was Attraktivität erzeugt. Auch sind die Ausgehmöglichkeiten und Restaurants in Ilmenau rar gesät und das Campusleben mit den Clubs eher einseitig geprägt.

Es wäre sehr schön, wenn sich eine Szene entwickeln würde, die das Gründerflair transportiert. Durch unsere Erfahrungen aus acht Jahren im TGZ kann ich sagen, dass eine Atmosphäre des Austausches zwischen Gründern enorm wichtig ist.“

 

Würden Sie die Standortentscheidung wieder so treffen?

 

„Da ich selbst seit vielen Jahren Ilmenauer bin, würde ich die Standortentscheidung auch wieder so treffen. Sehr wichtig ist für uns die sehr gute Verkehrsanbindung an die Autobahn. Wir sitzen somit quasi im Zentrum eines sich entwickelnden Europas und dies ist ein entscheidender Punkt für ein Unternehmen wie unseres, das sich international weiterentwickeln möchte.“

 

Unsere Tipps

 

Welche Tipps können Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

 

Dr. Peyerl mit einem seiner Mitarbeiter

„Als Unternehmer braucht man den Druck, um seine Ideen konsequent umzusetzen. Hat man das Glück, eine finanzielle Förderung für sich zu gewinnen, fällt dieser Druck etwas weg. Hier der Fokus der Gründer geschärft werden, nicht nur auf Fördermittel zu bauen.

Im Nachhinein empfinde ich es als sehr wichtig, insbesondere in den anfänglichen Gründungs- und Ideenfindungsphasen, den regen Austausch mit anderen Gründern zu suchen. Der Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten ist unbezahlbar und kann erfolgsversprechende Früchte tragen. Man sollte sich in der ersten Zeit nicht vom Tagesgeschäft übermannen lassen und auch mal über den Tellerrand schauen und sich Tipps von vielen verschiedenen Charakteren einholen.
Generell sollte ein Gründer in Ilmenau seine Standortvorteile nutzen, insbesondere durch Kooperationen mit der TU Ilmenau. Diese Zusammenarbeit mit standortnahen Firmen und Ausgründungen hat auch für die Universität viele Vorteile. Das ist ein Potenzial, was genutzt werden muss.“

 

Fotos: wr-communication

Marvin Best im Juli 2016