IPOL

Kurznotiz

Unternehmen: 
IPOL GmbH
Gegründet: 
Dezember 2006
Gründer: 
drei Gesellschafter
Produkt: 
Konzeption, Planung, Implementierung schlanker Material- und Informationsflüsse in der Industrie.

Teaser

Die IPOL GmbH ist ein typisches Beispiel einer erfolgreichen Ausgründung aus der TU Ilmenau. Die Geschäftsidee entstammt aus den Promotionsprojekten der beiden Mitgründer Dr. Thomas Rücker und Dr. Holm Fischäder am Fachgebiet Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre unter Prof. Dr. Herfried Schneider der damaligen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.
Aufgrund der sehr positiven Resonanz aus ersten Praxisprojekten an der TU Ilmenau wurde aus der Idee ein komplexes Dienstleistungsangebot für Industrieunternehmen zur Planung und Gestaltung von Produktions- und Logistikprozessen entwickelt und in die Praxis umgesetzt.

 

Die Gründung

 

Das Vorhaben, ein Unternehmen als Ingenieurdienstleister und Beratungsunternehmen für Produktions- und Logistikprozesse aufzubauen, entstand im Ergebnis der Promotionsarbeiten und erfolgreicher Praxisprojekte der beiden Mitgründer Dr. Thomas Rücker und Dr. Holm Fischäder. Beide arbeiteten am Fachgebiet Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre der damaligen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU Ilmenau. Basierend auf Methoden und Instrumenten zur Planung und Gestaltung effizienter Produktions- und Logistikprozesse nahm die Gründungsidee über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren Schritt für Schritt Gestalt an. Während dieser Zeit konnten die selbst entwickelten Methoden praxisnah in verschiedenen Industriebetrieben getestet und weiterentwickelt werden.
Im Laufe des Jahres 2006 wurde die Idee einer Unternehmensgründung konkreter. Unterstützung fand das Gründerteam unter anderem durch die GetUp-Initiative an der TU Ilmenau, über die Gründerseminare angeboten und das Geschäftskonzept sowie die finanziellen und steuerlichen Rahmenbedingungen etc. geprüft wurden. Die (formale) Gründung erfolgte nach gut einem halben Jahr Vorbereitung.

 

Fragen zum Gründungsprozess

(beantwortet von Dr. Holm Fischäder, Geschäftsführer der IPOL GmbH, 14.09.2015)

 

Was zeichnet die IPOL GmbH aus?

 

     Das IPOL Team

Ausgehend vom fachlichen Verständnis praktischer Produktions- und Logistikprozesse sowie aktueller Herausforderungen im industriellen Umfeld wurden bekannte Instrumente und Methoden zur Planung und  Optimierung dieser Prozesse angepasst und weiterentwickelt. Nach einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren konnte die ganzheitliche (und vollumfängliche) Projektbearbeitung Schritt für Schritt mit erfahrenen Mitarbeitern durchgeführt und später durch Projektleiter eigenverantwortlich koordiniert werden. Die zentrale Herausforderung ist die Gewinnung engagierter Mitarbeiter, die schnell Einblick in industrielle Abläufe bekommen, Erfahrungen sammeln können und somit in der Anwendung von Optimierungsmethoden trainiert werden.
Inzwischen verfügt IPOL über ein selbstentwickeltes, umfangreiches und rechnergestütztes Instrumentarium zur effektiven und effizienten Analyse, zur Planung und Durchführung von Beratungsprojekten sowie zur Umsetzung der Projektergebnisse in die Unternehmenspraxis. IPOL ist heute spezialisiert auf Greenfield- und Brownfield-Planungsprojekte sowie auf Restrukturierungs- und Optimierungsvorhaben im industriellen Umfeld. Wir bearbeiten weltweit Projekte für Industriekunden und sind hauptsächlich für Automobil- und Flugzeugzulieferer, aber auch für Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus im Einsatz.

 

Ingenieure werden überall händeringend gesucht. Wieso haben Sie sich dennoch für den Schritt in die Selbständigkeit entschieden?

 

Für die Selbständigkeit spricht die Fokussierung auf einen Gegenstandsbereich, der sich mit den eigenen Interessen der Gründer und dem aufgebauten fachlichen Know-how deckt. Der Anreiz, sich mit einer inhaltlichen Problematik zu beschäftigen, die von hoher praktischer Relevanz ist, führt beinahe automatisch in die Selbständigkeit. In welcher Art sonst kann man sich derart umfassend mit eigenen Ideen und Konzepten beschäftigen? Eine Integration in große Organisationen oder Konzernstrukturen mit eng abgegrenzten Aufgaben und Stellenprofilen war in keinem Moment interessant.

 

Ob positive Momente oder Herausforderungen – wie würden Sie Ihr Gründerdasein mit drei Schlagworten beschreiben?

 

1) Hohes Engagement, inhaltlich getrieben durch Visionen und Ideen.
2) Umfängliche Orientierung an Trends und Herausforderungen im industriellen Umfeld, damit stete Berücksichtigung praktischer Anforderungen.
3) Anfängliche Unterschätzung bürokratischer und verwaltungsbezogener Aufgaben.

 

Wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag aus?

 

Bearbeitung komplexer Produktions- und Logistikprozesse im IPOL Team

Die Arbeit als Unternehmer ist zu jeder Zeit durch ein hohes Arbeitspensum mit einem Arbeitstag von durchschnittlich 12 Stunden gekennzeichnet und bedingt die uneingeschränkte Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Leistungen. Die über ganz Europa verteilten Projekte erfordern neben der eigentlichen projektbezogenen Arbeit mit unseren Industriekunden umfangreiche Reisezeiten. Ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnik wäre die permanente Abstimmung mit den Projektmitarbeitern nicht denkbar.

 

 

 

 

 

Wo sehen Sie sich in 5 bis 10 Jahren?

 

Ausgehend von einer Konsolidierung und Optimierung interner Abläufe sowie der permanenten Auseinandersetzung mit neuen Trends und Entwicklungen in Theorie und Praxis (Industrie 4.0, Big Data etc.) soll IPOL weiter wachsen. Zielstellung ist ein weiterhin organisches Wachstum der IPOL GmbH bei (nachhaltiger) Ausweitung der Mitarbeiterbasis und kontinuierlich steigender Umsatzrendite.

 

Haben Sie jemals bereut, sich für den Weg in die Selbstständigkeit entschieden zu haben?

 

Uneingeschränkt nein.

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

 

Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Thomas Rücker und Dr. Holm Fischäder (v.l.)

Die Technische Universität und die Nähe zum Campus sind sehr wichtig, da durch Praktika und die Betreuung von Masterarbeiten die Integration studentischer Mitarbeiter in IPOL-interne Vorhaben und Kundenprojekte möglich ist. Letztlich wird durch eine längerfristige (und studienbegleitende) Zusammenarbeit mit Studierenden eine Gewinnung zukünftiger MitarbeiterInnen erleichtert.
Die Nähe und die enge Kooperation mit dem Fachgebiet Nachhaltige Produktionswirtschaft und Logistik (Nachfolge des Lehrstuhls Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre) ist für IPOL besonders wichtig und basiert auf nach wie vor engen Kontakten zum ehemaligen Arbeitsumfeld an der TU Ilmenau. Durch die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen und Seminare gemeinsam durchzuführen, soll einerseits Studierenden die Möglichkeit eröffnet werden, sich bereits während ihres Studiums mit konkreten praxistypischen Fragestellungen zu beschäftigen; andererseits eröffnet die enge Kooperation die wissenschaftlich-methodische Beschäftigung mit Themen, die zukünftig eine hohe Bedeutung im industriellen Umfeld haben werden.

 

Gibt es Punkte, wo mehr regionale Unterstützung nötig wäre?

 

Insbesondere während der Gründungsphase und in den ersten Geschäftsjahren wäre ein breiterer Gedankenaustausch, bspw. zu Fragen der Steuer- und Finanzverwaltung hilfreich gewesen. Eine Beschäftigung mit diesen aus Gründersicht „fachfremden“ Themen ist oft langwierig und komplex. Durch Initiativen wie auftakt. sowie Ansprechpartner für Gründer in der lokalen/regionalen Verwaltung könnte hier Erleichterung und die Basis für einen Erfahrungsaustausch unter Gründern geschaffen werden.

 

Würden Sie die Standortentscheidung wieder so treffen?

 

Uneingeschränkt ja

 

Unsere Tipps

 

Wer oder was hat bei der Gründung besonders geholfen?

 

Im Rahmen der Gründungsüberlegung von besonderer Bedeutung war die intensive Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Herfried Schneider, der bereits in einer frühen Phase der Promotionsvorhaben immer wieder auf die praktische Relevanz bei der wissenschaftlichen Arbeit hingewiesen und diese auch stets eingefordert hat. Insofern bestand schnell der Anspruch, wissenschaftlich erarbeitete Erkenntnisse einem „praktischen Anwendungstest“ zu unterziehen. Der dadurch bereits während der Beschäftigung an der TU Ilmenau zu Stande gekommene und intensiv gepflegte Kontakt mit Industrieunternehmen hat letztlich dazu geführt, dass eine gewisse „Marktreife“ eigener Ideen und Konzepte gegeben und die Gründung weniger risikoreich war.
Unser Tipp ist daher, sich einen Mentor zu suchen, der im Gründungsprozess mit seinem fachlich-beruflichen Hintergrund und praktischen Erfahrungen hilfreich zur Seite stehen kann.

 

Welche persönlichen Eigenschaften sind essentiell für die Gründung eines Unternehmen?

 

Ausdauer, Fleiß, Belastbarkeit, Ehrgeiz, Begeisterungsfähigkeit, Frustrationstoleranz bei zeitweiligen Rückschlägen.

 

 

Fotos: wr-communication

Marvin Best im Juli 2016