Incowia

Kurznotiz

Unternehmen: 
incowia GmbH
Gegründet: 
13. Juli 1990, seit 2004 incowia GmbH
Gründer: 
vier Gesellschafter
Produkt: 
Beratungen und Implementierungen für IT-Lösungen und Datenintegration

Teaser

 

2015 feierte die incowia GmbH ihr 25jähriges Firmenjubiläum. Das ist einer von vielen Gründen auf den Gründungsprozess des Unternehmens zurück zu blicken und wichtige Meilensteine noch einmal zu beleuchten. Das Unternehmen und sein Erfolg beruht auf drei Säulen:

1) Transparenz, Offenheit und Vertrauen führen zu langfristigen Kundenbindungen.

2) Der Standort Ilmenau bietet Kostenvorteile und eine gute Infrastruktur.

3) Das innovative Team der incowia GmbH und die Unternehmenskultur sind wichtige Faktoren für den Unternehmenserfolg.

Trotz stetig wechselnder Projektanforderungen an das Unternehmen können so seit 25 Jahren erfolgreich innovative, kundenspezifische IT-Lösungen geliefert werden.

 

 

 

Der Gründungsprozess

 

Gründer und Geschäftsführer:Ingo Schrewe

Schon zu DDR-Zeiten hatte Ingo Schrewe den Wunsch und den Willen, außerhalb seiner Universitätslaufbahn unternehmerisch tätig zu sein. So gründete er am 13. Juli 1990 gemeinsam mit Kollegen und ihrem damaligen Professor im Schwarzwald die META TOOLS GmbH um innovative Softwareprodukte und –projekte zu realisieren. Mit der Gründung im Schwarzwald wollten sie einer rechtlich unklaren Situation bezüglich der noch existierenden beiden deutschen Staaten und damit zusammenhängenden eventuellen Unwägbarkeiten aus dem Weg gehen. Im September 1991 wurde der Firmensitz nach Ilmenau verlegt. Die META TOOLS GmbH zog in das gerade neu gegründete Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) ein. Die Ironie des Schicksals führte Dr. Ingo Schrewe damit wieder zurück in sein altes Studentenzimmer, in die alten Baracken am Campus. Dort besaß die incowia GmbH ihre ersten Ilmenauer Büroräume. 1994/1995 zog das Unternehmen in die neuen Räumlichkeiten des TGZ in der Ehrenbergstraße. 2002 folgte der Umzug in ihr aktuelles Domizil in der Albert-Einstein-Straße. Nach einer Zwischenstation als GFT Systems GmbH firmierte das Unternehmen 2004 in die heutige incowia GmbH um.

 

Fragen zum Gründungsprozess

 

(Gespräch mit Dr. Ingo Schrewe, Geschäftsführer der incowia GmbH, 27.07.2015)

 

Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung und wie haben Sie sie bewältigt?

„Unser Gründungsprozess war stets von der Ambition geleitet, mehr zu tun als nur zu forschen. Wir wollten uns entwickeln und ein Unternehmen aufbauen, die vor uns liegenden Möglichkeiten nutzen. Am 13. Juli 1990 gründeten wir zunächst die META TOOLS GmbH, den Vorgänger der incowia GmbH. Es sollten Werkzeuge für Softwareentwickler konstruiert werden. Diese Idee scheiterte zunächst, führte uns aber in das Projektgeschäft, in dem wir bis heute noch sehr gerne arbeiten. Es weist stetige Veränderungen auf: immer wieder neue Kunden und wechselnde Technologien. Auch wenn der Einarbeitungsaufwand für jedes neue Projekt nicht gering ist, lernten wir, mit diesen Situationen immer besser umzugehen und konnten uns mit den Jahren einen soliden Erfahrungsschatz für Softwareprojekte aneignen.

           Freiraum für Austausch schaffen – der incowia Wissensmarkt.

Das erste große Projekt, im Jahr 1994, war eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Post. So wuchsen wir innerhalb von zwei Jahren von 6 auf 25 Mitarbeiter an. Im Jahre 1997 kam dann die Anfrage der GFT Technologies AG, in ihre Gesellschaft einzusteigen. Wir verkauften einige Anteile, wurden zur GFT Systems GmbH und wuchsen bis 2001 auf 60 Angestellte. Die GFT hatte die Erwartung, dass wir noch weiter wachsen würden. Dies war in dieser Zeit, in der auch die Internetblase weltweit platzte, nicht möglich. So wurde das Wachstum vorerst reduziert. 2004 war eines der schlechtesten unternehmerischen Jahre für uns. Dementsprechend wollte uns die GFT AG schließen und nur einige unsere besten Leute behalten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir, dass wir einen Schlussstrich ziehen mussten. Wir kauften unsere Firmenanteile wieder zurück. Ab 2004 firmiert unser Unternehmen unter dem Namen incowia GmbH. Leider mussten auch 30 Mitarbeiter entlassen werden. Zum Jahresende 2004 schrieben wir endlich wieder eine schwarze Null. Einige der zuvor entlassenen Mitarbeiter konnten im nächsten Jahr sogar wieder eingestellt werden.“

 

Ob positive Momente oder Herausforderungen – wie würden Sie Ihr Gründerdasein in Schlagworten beschreiben?

Lesson learned: „Einen positiven, wie auch sehr lehrreichen Moment erlebte ich, als wir ganz am Anfang unserer Gründung ein Projekt der Allianz für zukünftige Seminarräume realisierten. Bei der Präsentation unseres Endproduktes hatte der Kunde ganz andere Erwartungen an uns, als wir zuvor annahmen. Uns wurde Unprofessionalität vorgeworfen und wir wurden beinahe hinausgeworfen. Die Lesson learned in diesem Fall war, zuerst zu verstehen, was der Kunde will und erst dann nach der richtigen Lösung suchen, anstatt sofort anzufangen zu entwickeln.“

Entfaltungsfreiheit: „Weiterhin empfinde ich es als sehr positives Gefühl, in meiner Arbeit so viele Gestaltungsmöglichkeiten zu haben. Ausgangspunkt ist immer ein Problem eines Kunden und wir suchen nach der Lösung. Dennoch gibt es kein vorgefertigtes optimales Ergebnis, sondern wir arbeiten ganz zwang frei, auf der Basis der uns bekannten Technologien und Erfahrungen. Wir fragen uns immer, wie man mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die beste Lösung erreichen kann, die zusätzlich auch möglichst perfekt zu ihrer Umwelt passt.“

 

25 Jahre incowia GmbH

 

Unternehmenskultur: „Unsere Unternehmenskultur ist ein wichtiger Baustein unserer Firma. Wir führen jedes Jahr Mitarbeitergespräche. In diesen Gesprächen höre ich immer wieder, dass die Mitarbeiter sich freuen, hier zu arbeiten. Die Zusammenarbeit und das gemeinsame Verständnis für ein gemeinsames Ziels sind sehr wichtig. Es ist nicht unser Primärziel einen bestimmten Gewinn zu erwirtschaften, sondern viel mehr interessante Projekte zu akquirieren. Ich habe festgestellt, dass die Menschen viel bessere Ergebnisse produzieren, wenn sie sich wohlfühlen und gefördert und gefordert werden. Deshalb ist uns der „Familienaspekt“ im Unternehmen auch so wichtig. Zusätzlich konnten so auch viele neue Kunden gewonnen werden, da sich durch die exzellente Arbeit der Mitarbeiter auch Spezialitäten des Unternehmens heraus gebildet haben und die Kunden besonders zufrieden waren. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass man sich in seinem Unternehmen stets mit der Herausbildung des eigenen Stils auseinander setzt und ein Gespür dafür entwickelt, was man besonders gut kann und wodurch sich das Team auszeichnet. Würden wir immer nur mit den gleichen Kunden und in denselben Branchen arbeiten, würde es uns als Firma nicht mehr geben. Wir brauchen immer neue Herausforderungen, um auch unsere Mitarbeiter zu befriedigen.“

Drei Säulen: „Die incowia GmbH und ihr Erfolg beruht auf drei Säulen. Zum einen die Faktoren Transparenz, Offenheit und Vertrauen: Wir sind nicht die typischen Verkäufer und wollen es auch nicht sein. Dadurch sind viele unserer Kunden langfristige Kunden. Dies führt unter anderem zu fruchtbaren Weiterempfehlungen. Die zweite Säule ist der Kostenvorteil, den wir hier in Thüringen gegenüber Ballungszentren nutzen können. Da zeigen sich die Gehalts- und Kostenstruktur und auch die gute Infrastruktur im Zentrum Deutschlands als Pluspunkt. Die dritte und letzte Säule ist unser Team. Die exzellente Zusammenarbeit verbindet alle drei Säulen und ergibt den Rest.“

 

Was bringt die Zukunft für die incowia GmbH?

„Solange wir an unserer Arbeit Spaß haben und das Team so gut zusammen arbeitet, soll es einfach weiter gehen wie bisher. In fünf Jahren müssen wir nicht unbedingt 60 Mitarbeiter beschäftigen. Viel lieber wollen wir am Markt bekannter werden für das, was wir gut können – die Datenintegration. Das soll mehr Kunden anziehen und das Unternehmen stabilisieren. Dies wird im Endeffekt auch zu mehr Mitarbeitern führen, was wiederum der Region zu Gute kommt. Die Mitarbeiter, die hier arbeiten, kommen aus dieser Gegend und das wollen wir stärken.“

 

Haben Sie jemals bereut, sich für den Weg in die Selbstständigkeit entschieden zu haben?

„Natürlich nie!“

 

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

„Für uns ist Ilmenau als Unternehmensstandort so attraktiv, da wir hier eine Verbindung von Natur, Universität und vielen kleineren Firmen genießen können. So haben sich in den Jahren gute Verbindungen untereinander, sogar Freundschaften zwischen den Unternehmern geformt. Diese Balance zwischen Notwendigkeit und angenehmem Miteinander macht Ilmenau aus. Ich persönlich sehne mich nicht nach der Großstadt. An der Nähe zur Universität schätze ich den stetigen Input durch neue Studierende und den regen Austausch mit den Fakultäten, insbesondere der Fakultät Informatik. Den Standort Ilmenau habe ich nie in Frage gestellt, da für mich immer an erster Stelle meine Familie und unser gemeinsames Haus standen. Dennoch habe ich durch viele Projekte auch Erfahrungen außerhalb von Ilmenau gesammelt, aber irgendwann möchte man auch einfach mal nach Hause kommen und abschalten. Generell können 90% unserer Projekte von unserem Standort erbracht werden. Andere Projekte sind weniger für uns geeignet, da wir dazu Mitarbeiter wegschicken müssten, um vor Ort beim Kunden zu arbeiten. Das kann dazu führen, und das ist uns schon passiert, dass wir Mitarbeiter verlieren.“

 

 

Tipps

 

Welche Tipps können Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?
 

Anwendersupport – wichtige Komponente im Projektgeschäft.

„Ich rate jedem Gründer, sich zu allererst zu entscheiden, ob er eine Produkt- oder Projektfirma gründen möchte. Hier gibt es große Unterschiede, derer muss man sich bewusst sein.
Zweitens muss man sich eine Kernkompetenz geben, darf aber gleichzeitig nicht zu sehr darauf bestehen, denn der Wettbewerb schläft nie. Wenn man anfängt auf der Stelle zu treten, weil man denkt, dass man schon alles beherrscht und weiß, ist es vorbei. Es ist enorm wichtig, Flexibilität zu wahren und sich an den wandelnden Markt anzupassen.
Ein Gründer sollte sich regelmäßig hinterfragen. Eine wiederkehrende Investition in das Wissen der Mitarbeiter führt zu innovativem Erneuern aus sich selbst heraus. Man darf nicht davor zurückschrecken, sich auszuprobieren. Wir selbst haben uns z.B. an der App-Entwicklung versucht und festgestellt, dass wir darin einfach nicht gut genug sind. Es gibt sehr viele andere Anbieter, die das besser können und deshalb glauben wir in dieser Richtung nicht an ein profitables Geschäft. Folglich ist es wichtig einzusehen, was man kann und was nicht, auch wenn man viel investiert hat. Man muss los lassen können, dann kann man mehr Energie in zukünftige, bessere Projekte stecken. Das alles ist geknüpft an Erfahrungen, die man als Gründer machen muss.

Weiterhin sollte ein Gründer nicht versuchen, alles in seinem Unternehmen selbst zu stemmen. Insbesondere Techniker und Informatiker laufen hierbei oft Gefahr, sich zu übernehmen. Gründer neigen dazu, ständig und immer an die Firma zu denken und rund um die Uhr dafür zu arbeiten – ich kann nur raten, sich ganz bewusst Zeit für sein eigenes Leben zu nehmen, immer wieder Freiraum zu schaffen. Das Ergebnis wird in beiden Bereichen (privat und geschäftlich) besser sein!
Auch Vitamin B ist sehr wichtig. Es ist nicht schlimm, erst einmal zu geben, denn man bekommt irgendwann auch etwas zurück, meistens dann, wenn man es nicht erwartet.
Zu guter Letzt erschien es mir immer wichtig, in Netzwerke zu investieren, denn dadurch stabilisiert man diese, kann langfristig Vertrauen aufbauen und vom Netzwerk profitieren.“

 

Fazit

 

Durch ihren eigenen, nicht immer einfachen Werdegang kann die incowia GmbH Gründern viele wertvolle Tipps mit auf den Weg geben. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine intensive Unternehmenskultur aus, die viel Wert auf das Miteinander der Mitarbeiter legt. Aber auch Kooperationen und Freundschaften innerhalb des Unternehmernetzwerkes in Ilmenau tragen zum Erfolg des Unternehmens bei. Der Standort Ilmenau weist für die incowia GmbH viele Vorteile auf, wie zum Beispiel der ständige Input durch neue Studierende aber auch fruchtbare Zusammenarbeiten mit den hiesigen Fakultäten. Für die Zukunft setzt das Unternehmen auf ihre Kernkompetenz, die Datenintegration, und will durch das ständige Hinterfragen ihrer eigenen Arbeit Innovationen sichern und mehr Kunden erreichen.

 

Fotos: wr-communication

Marvin Best im Juli 2016