IL Metronic

Kurznotiz

Unternehmen: 
IL Metronic Sensortechnik GmbH
Gegründet: 
27.01.1992
Gründer: 
5 Ingenieure
Produkt: 
Entwicklung & Vertrieb von Sensoren, Messgeräten & Spezialglasdurchführungen

 

Teaser

 

„Wir waren ein bisschen verrückt!“ - mit diesen Worten beschreibt der Gründer der IL Metronic Sensortechnik GmbH Dr. Hansch in der Retrospektive seine Erfahrungen der ersten Monate und Jahre. Immerhin lag das Durchschnittalter der Gründer 1992 bei 48 Jahren. Es gab weder Eigenkapital noch Grundbesitz. Erfahrungen mit der Marktwirtschaft lagen wie bei vielen anderen Gründern der ersten Stunde nicht vor.
Die IL Metronic hat eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte am Standort Ilmenau-Unterpörlitz geschrieben. Dieser Standort stand in den vielen Jahren seit der Gründung nie zur Disposition – ein Ausweis der Bodenständigkeit und Verbundenheit mit der Region. Die IL Metronic ist ein typisches Familienunternehmen, in dem auch Belegschaft als Familie gedacht wird. Viele Preise wurden der IL Metronic und deren Gründern für Ihr Wirken bereits zuerkannt, so „Thüringer Unternehmer des Jahres 2009“, „Südthüringer Unternehmen des Jahres 2010“ oder „Großer Preis des Mittelstands“ im Jahre 2013.

 

 

 

Die Gründung

 

Die Motivation zur Gründung der eigenen Firma durch Dr. Horst Hansch und vier weitere Mitstreiter liegt vor allem in zwei Fakten begründet. Zum einen waren aus der Tätigkeit im nach der politischen Wende abgewickelten Staatsunternehmen VEB Elektroglas Ilmenau genügend Ideen und fundierte Kenntnisse vorhanden. Zum anderen bestand ein fester Glauben an die eigene Kraft, weil Erfahrungen in Wissenschaft und Technik vorlagen. Im Ergebnis gemeinsamer Beratungen der Gründer, teilweise auch spätabends nach Dienstschluss oder am Wochenende, immer auch unter dem Druck einer drohenden Arbeitslosigkeit reifte der Entschluss zur Gründung im Januar 1992. Der Produktionsbetrieb wurde wenig später aufgenommen.

Das beantragte TOU-Projekt (technologieorientierte Unternehmensgründung) war zu diesem Zeitpunkt noch in der Schwebe. Erst eine „Eingabe“ mit Schilderung der Beweggründe und erhofften Erfolgsaussichten des Gründungsvorhabens beim damaligen Bundesminister für Forschung und Technologie Dr. Heinz Riesenhuber brachte den Durchbruch. Die Förderung wurde bewilligt und zum ersten Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der IL Metronic. Hauptbetätigungsfeld wurden neuartige Glasdurchführungen, die aus den FuE-Arbeiten des ehemaligen VEB Elektroglas Ilmenau herrührten und ständig weiter entwickelt wurden. Daneben war das Ziel die Entwicklung von innovativer Sensorik. Hieran wurde auch mit Partnern, wie mit dem neu gegründeten CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik GmbH in Erfurt intensiv gearbeitet. Mit einem neuartigen Messinstrument zur Taupunktmessung wurde schließlich eine wesentliche Produktlinie im Unternehmen etabliert.

 

Fragen zum Gründungsprozess

(im Gespräch mit Dr. Horst Hansch, Geschäftsführer und Gründer der IL Metronic Sensortechnik GmbH, 06.07.2016)

 

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?

 

Firmengründer Dr. Horst Hansch

„In der Region gab es nach der Wende keine Jobs, so dass viele Experten aus dem Technologiebereich vor der Entscheidung standen: entweder gründe ich in der Region ein Unternehmen oder verlasse die Heimat. Wir Gründer waren ehemalige Leiter und führende Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung des Vorbetriebes, es gab sozusagen viele Ideen in der „Schublade“. Zusammengenommen hatten wir jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Verbindung von Glas und Metall.

Am alten Standort des VEB Elektroglas am Vogelherd versuchten wir den Bereich Glasdurchführungen wieder aufzubauen und konnten teilweise Equipment von der Treuhand übernehmen. Nach einiger Zeit haben wir uns entschieden, uns am heutigen Standort, quasi vis-a-vis zu der alten Wirkungsstätte, niederzulassen. Die ersten Monate waren sehr erbehrungsreich und nur durch das persönliche Engagement der Gründer und deren Familien zu bewerkstelligen. Wertvolle Unterstützung erhielten wir in dieser Zeit durch ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, das auch Gesellschafter an der IL Metronic wurde. Mit der TOU-Förderung konnten wir dann durchstarten und unsere ersten Kunden gewinnen.“

 

Welche Meilensteine kennzeichneten Ihre Gründung?

 

„Einer der Meilensteine war die von uns mit vorangetriebene Gründung des CiS Forschungsinstituts für Mikrosensorik GmbH in Erfurt. Hierdurch konnten wir das Know-How in diesem Bereich bündeln und aus der dortigen Entwicklungstätigkeit heraus sind wir zu neuen Sensoren gekommen.
Einen weiteren Meilenstein hatten wir im Jahre 1995, als wir bei dem erstmalig in Thüringen ausgelobten Innovationspreis mit unserem Taupunktfeuchtesensor den 3. Platz erzielten. An diese Wertschätzung denken wir gerne zurück, unter anderem auch weil mit dem Preisgeld weitere Impulse in unserem Unternehmen freigesetzt werden konnten.“

 

Was sind die weiteren Pläne der IL Metronic GmbH?

 

„Die erfolgreiche Weiterführung der Firma ist mir sehr wichtig. Deshalb haben wir frühzeitig die Übergabe der Firma an die Folgegeneration in die Wege geleitet. Wir sind ein typisches Familienunternehmen – nicht nur weil einige Familienmitglieder bei uns eingestiegen sind, sondern auch, weil wir mit all unseren Angestellten ein familiäres Klima im Unternehmen pflegen. Es gehört viel mehr dazu Unternehmer zu sein, auch ein Ohr für die Mitarbeiter und deren persönliche Probleme zu haben, ist immens wichtig. Nur leider wird das Bild des Unternehmers in Deutschland häufig verzerrt dargestellt.“

 

Haben Sie jemals bereut, sich für den Weg in die Selbständigkeit entschieden zu haben?

 

„In der gleichen Situation wie damals würde ich wieder gründen. Die Unternehmerlaufbahn  hat mein Leben und das meiner Familie verändert. Ich weiß nicht, ob ich in einem Angestelltenverhältnis ein solch vollerfülltes Leben gehabt hätte. Die Zeit war intensiv und ist so schnell vergangen.
Heutzutage, so finde ich, wird es Gründern bezgl. der Kapitalbeschaffung sehr schwer gemacht. Gründungsideen, der Mut zur Selbständigkeit und die daraus resultierende Verantwortung sollten viel besser unterstützt werden. Chancen sollten gegeben und nicht verhindert werden.“

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv und würden Sie die Standortentscheidung wieder so treffen?

 

„Wir haben unseren Standort nie in Frage gestellt. Ilmenau ist und bleibt unser Firmensitz. In den letzten Jahren haben wir unseren Firmensitz in Ilmenau-Unterpörllitz sukzessive baulich erweitert.

Luftaufnahme Firmengebäude in Unterpörlitz

Das wissenschaftliche Potential durch die am Standort ansässige TU Ilmenau ist nicht hoch genug einzuschätzen. Der direkte Draht zu einigen Forschern ist wichtig und sehr viele Personen unserer Belegschaft wurden hier ausgebildet. Wir arbeiten intensiv an gemeinsamen Projekten, um neue Technologien zu entwickeln.

Neben Ilmenau gibt es im weiteren Thüringer Umkreis ein gutes wissenschaftliches Umfeld durch innovative Firmen und Institute in Erfurt, Jena und Hermsdorf. Thüringen liegt schließlich in der Mitte Deutschlands und ist verkehrsgünstig gut angebunden.“

 

Unsere Tipps

 

Welche Tipps können Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

 

„Bescheidenheit üben und auch einmal „kleine“ Brötchen backen“ sollte insbesondere in der Anfangszeit eine Tugend für Gründer sein. Diese Sicht hilft auch, steinige Wege zu begehen. Ich habe zum Beispiel als Geschäftsführer selbst noch Sinterkörper gepresst. Als weitere Gründertugenden sehe ich an: Selbstbewusstsein besitzen, Risiko einkalkulieren und Ausdauer haben, Misserfolge analysieren, keine Reue darüber empfinden, dass die Entscheidung für die Selbstständigkeit getroffen wurde und vor allem kämpfen.

  Großer Preis des Mittelstandes

In der Regel haben wir immer mehrere FuE-Projekte gleichzeitig in Bearbeitung. Man sollte nie aufhören mit dem Entwickeln von Technologien und dem Überführen in neue Produkte. Das strukturierte Projektmanagement in Förderprojekten ist hilfreich. Man darf keinen Stillstand erkennen lasssen und immer nach neuen Qualitäten und Märkten suchen. Wir sind aus Projekten immer klüger geworden, auch wennn einmal ein fehlerbehaftetes oder nicht verkaufsfähiges Produkt entstanden war.

Eine Empfehlung ist auch, dass man stets die eigenen finanziellen Strukturen im Blick behält, auch wenn man die Kompetenzen im Haus oder extern weitergegeben hat. Ein wesentlicher Tipp - und so haben wir es auch immer gehandhabt – ist, einen Großteil des Gewinns(alles was übrigbleibt vom Umsatz) immer gleich wieder in das Unternehmen zu stecken, zu investieren.
Ich möchte auch betonen, dass es wichtig ist, sich mit anderen Gründern zusammen zu schließen. Aus meiner eigenen Anschauung heraus haben sich in den Nachwendejahren einige wichtige Unternehmen gegründet, die schließlich zu einer ersten „Ilmenauer Gründergeneration“ erwachsen sind. Diese von Vertrauen und gegenseitiger Hilfe geprägten Strukturen wirken bis zum heutigen Tag. Ich möchte fast behaupten, dass diese Keimzelle die Region ein Stück weit mit stark gemacht hat.“

 

 

Fotos: JR & Website IL Metronic Sensortechnik GmbH

Marvin Best im August 2016