BN Automation AG

Kurznotiz

Unternehmen: 
BN Automation AG
Gegründet: 
06.06.1990
Gründer: 
Frank Bonitz, Jörg Neunast, Jan Rudorfer
Produkt: 
Automatisierung verfahrenstechnischer Prozesse, Daten- und IT-Systemlösungen

 

Teaser

 

Die BN Automation AG ist ein weltweit agierender Dienstleister in den Bereichen Automatisierung, Informationstechnik und Datenlösungen. Für 750 Kunden aus Industrie und Versorgungswirtschaft hat sie in 26 Jahren mehr als 2.000 Projekte in Deutschland, Europa und der Welt realisiert. Geschäftsfelder sind Wasser, Energie und Industrie. Ob bei der Versorgung mit reinem Trinkwasser, der Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen oder in der Herstellung hochwertiger Lebensmittel – die Automatisierungslösungen stehen für die wirtschaftliche, sichere und umweltschonende Produktion vieler lebenswichtiger Güter.
Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit verbindet die BN Automation seit 1990 technologisches Wissen mit Automatisierungstechnik, Informationstechnik und Elektrotechnik zu einem außergewöhnlichen Leistungsangebot. Das Ergebnis sind innovative Produkte, Lösungen und Dienstleistungen, mit denen sie den Kunden helfen, Antworten auf technische, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu finden.

 

Die Gründung

 

Die Gründer Frank Bonitz, Jörg Neunast und Jan Rudorfer entwickelten in den 1980er Jahren an der Technischen Hochschule Ilmenau ein Automatisierungssystem, welches in Kleinserie gebaut und in Pilotprojekten eingesetzt wurde. Im November 1989 entschieden sie sich, aufbauend auf diesen Erfahrungen, ein Unternehmen für Automatisierungstechnik zu gründen.

Bei der Gründung spielte der Faktor Zeit die entscheidende Rolle: Sie wollten am neu entstehenden ostdeutschen Markt vor den etablierten Unternehmen aus den Alten Bundesländern präsent sein. Um das zu erreichen und weil für eine GmbH nach bundesdeutschem Recht auch die D-Mark gefehlt hätte, gründeten sie die B&N Automation GmbH nach DDR-Recht mit einem Stammkapital von 20.000 Mark der DDR.

Gründer und Aufsichtsrat 2000

Der Weg dahin war dornig. Die untergehende DDR-Bürokratie lieferte heftige Rückzugsgefechte. Im Juni 1990 waren dann alle Bedingungen erfüllt. Die noch frische Notarurkunde wurde persönlich zum Amtsgericht nach Zella-Mehlis gebracht und der Richter überzeugt, die Eintragung binnen 5 Tagen noch vor der Währungsunion am 01.07.1990 vorzunehmen.

Weil es keine Gewerberäume gab, war der Firmensitz zunächst die Wohnung von Frank Bonitz im Neubaugebiet „Pörlitzer Höhe“. Im Januar 1991 stellte die Stadt Ilmenau Räume in der Oehrenstöcker Straße zur Verfügung, die in Eigenleistung umgebaut und renoviert wurden. Im Sommer 1991 war die Einweihung.
Das Startkapital kam aus dem ersten Auftrag: Die Netzleitstelle der Wasserversorgung der Stadt Plauen lieferte über 70.000 DM. Zusätzlich erhielte das Unternehmen von der örtlichen Sparkasse ein ERP-Darlehen. Für die Fertigung der ersten Aufträge wurden die Räume und Werkstätten eines anderen Unternehmens genutzt. Mit der Fertigstellung und Abrechnung des ersten Auftrags Ende 1990 verfügte die B&N Automation GmbH über die notwendigen Mittel, um weitere Aufträge anzunehmen und die Wachstumsphase des Unternehmens einzuleiten.

 

Fragen zum Gründungsprozess

(beantwortet von Dr. Frank Bonitz, Gründer und Vorstandsvorsitzender der BN Automation AG, 16.08.2016)

 

Was war die Gründungsidee der BN Automation und wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

 

„Nachholbedarf in der Automatisierung gab es 1990 überall. Aber es war auch absehbar, dass viele ostdeutsche Unternehmen nicht überleben würden. So entschieden wir, uns zunächst auf die Wasserwirtschaft zu konzentrieren. Deren Produkt „Trinkwasser“ ist leitungsgebunden und kann durch Wettbewerber nicht verdrängt werden. Das war entscheidend für unseren Erfolg, denn unsere potentiellen Kunden „überlebten“ die Wende, konnten investieren und uns so Aufträge geben.

Wir entwickelten an der Technischen Hochschule Ilmenau in den 1980er Jahren ein Automatisierungssystem und machten Pilotprojekte in der Wasserwirtschaft. Dadurch kannten wir den Nachholbedarf in dieser Branche und verfügten über Kontakte sowie das notwendige Know-how.“

 

Was waren die positivsten Momente und Meilensteine in Ihrem bisherigen Gründerdasein?

 

  Anwendungsbeispiel:
  Zentrale Leitwarte Kläranlage Karlsruhe

„Der erste Auftrag ist immer der schwerste und zugleich der wichtigste. Bei uns war es der Auftrag für die Netzleitstelle der Wasserversorgung der Stadt Plauen über 70.000 DM. Als wir den Auftrag hatten, wussten wir, dass wir Erfolg haben können.

1993, wir waren zwischenzeitlich 12 Mitarbeiter, waren die Räume in der Oehrenstöcker Straße endgültig zu klein geworden und wir mieteten Gewerberäume bei der Firma Ilmvac im Industriepark „Am Vogelherd“. 1998 dann bauten wir unser erstes eigenes Firmengebäude im Gewerbepark „Am Wald“. 2000, 2004 und 2010 folgten drei weitere Gebäude.

Im Jahr 2000 wandelten wir das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Wir wollten damit unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich am Unternehmen zu beteiligen. Heute sind rund die Hälfte der 120 Mitarbeiter an der BN Automation AG beteiligt.“

 

Was oder wer hat Ihnen bei der Gründung besonders geholfen bzw. den Rücken gestärkt?

 

„Gut ausgebildet und mit entsprechender Berufserfahrung fühlten wir uns technisch den Herausforderungen einer Firmengründung gewachsen. Als DDR-Bürger verfügten wir aber über keinerlei Erfahrung mit der Marktwirtschaft. Hier half uns die Kooperation mit einem Unternehmen aus den Alten Bundesländern, dessen Geschäftsführer uns ein unaufdringlicher aber guter Ratgeber war.“

 

Haben Sie jemals bereut, sich für den Weg in die Selbständigkeit entschieden zu haben?

 

„Nein! Beruflich war das die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. Wenn man bereit ist, die Verantwortung für sein Tun zu tragen, ist Selbständigkeit die beste Voraussetzung für ein erfülltes Berufsleben.“

 

Unser Standort

 

Was macht Ilmenau als Unternehmensstandort attraktiv?

 

„Eine gute Infrastruktur, kurze Wege, Autobahnanbindung, eine naturnahe Lage, viele Freizeitangebote und die Technische Universität machen aus Ilmenau einen attraktiven Standort. Unternehmen finden im Rathaus ein offenes Ohr für ihre Probleme und erhalten eine angemessene Unterstützung.“

 

Was kann man Ihrer Meinung nach für die Stärkung des Standorts Ilmenau tun?

 

Firmensitz im Gewerbepark „Am Wald“ heute

„Ilmenau steht in Thüringen mit Erfurt, Weimar oder Jena im Wettbewerb um die besten Köpfe. Gerade junge Menschen schätzen das kulturelle Angebot, das Flair und die Infrastruktur dieser Städte. Ilmenau muss das Potential, das 8.000 Studierende bieten, besser nutzen: Im Stadtbild, für attraktive Freizeitangebote, eine Kneipenkultur und als Arbeitskräftepotential. Außerdem sind der Wohnungsmarkt angespannt und die Breitbandanbindung an einigen Standorten verbesserungsbedürftig. An der medizinischen Versorgung (Krankenhaus!) darf es keine weiteren Abstriche geben – wer junge Familien halten möchte, braucht eine Kinderstation!“

 

 

Unsere Tipps

 

Welche Tipps können Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben?

 

„Behalten Sie Produkt und Technik genau so im Auge, wie Verkauf und Zahlen. Der Technikfreak, der sich in den Details seines Produktes vergräbt, wird genau so scheitern, wie das Verkaufsgenie, das seine Versprechen nicht halten kann.“

 

Fotos: BN Automation AG

Marvin Best im August 2016